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Mrz 29, 2026

Was ich im Berufstrainerlehrgang über Stress gelernt habe

Im ersten Kurs des Berufstrainerlehrgangs wurde für mich sehr greifbar, dass Stress nicht einfach «von aussen kommt». Vielmehr entsteht er oft im Zusammenspiel von Anforderungen, meiner Motivation, meinen inneren Antreibern und meinem Umgang mit mir selbst. Genau diese Erkenntnis war für mich als Coach besonders wertvoll.

Stress beginnt oft nicht bei der Aufgabe, sondern bei der inneren Bewertung

Ein zentraler Punkt aus dem Kurs war: Nicht jede Belastung führt automatisch zu Stress. Entscheidend ist, wie ich Situationen bewerte und welche inneren Muster dabei aktiv werden. Gerade im Traineralltag mit Verantwortung, Zeitdruck, Erwartungen und unterschiedlichen Menschen kann das schnell spürbar werden.

Die Auseinandersetzung mit Lebenskompetenzen hat mir gezeigt, wie wichtig Fähigkeiten wie Selbstwahrnehmung, Umgang mit Gefühlen, Umgang mit Stress, Entscheidungsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit sind. Diese Kompetenzen sind nicht einfach angeboren, sondern lernbar. Das ist eine starke Botschaft: Auch im Umgang mit Stress bin ich nicht festgelegt.

Motivation kann stärken oder unter Druck setzen

Spannend war für mich auch der Blick auf Motivation. Es gibt intrinsische Motivation, also Antrieb von innen, etwa durch Freude an der Aufgabe, Lernen, Entwicklung oder das Gefühl, wirksam zu sein. Daneben gibt es extrinsische Motivation, zum Beispiel Anerkennung, Status, Geld oder Lob.

Besonders einleuchtend war die Verbindung zur Selbstbestimmungstheorie mit den drei psychologischen Grundbedürfnissen:
  • Autonomie: selbst entscheiden und im Einklang mit den eigenen Werten handeln
  • Kompetenz: wirksam sein und sich weiterentwickeln
  • Bindung: sich mit anderen verbunden und zugehörig fühlen
Wenn diese Bedürfnisse erfüllt sind, entsteht oft gesunde Motivation. Wenn sie zu kurz kommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Druck, Frust oder Stress entstehen. Für mich als Coach heisst das: Motivation ist nicht nur Leistungstreiber, sondern auch ein Schlüssel zur psychischen Stabilität.

man in white shirt and red shorts jumping on brown grass field during daytimeInnere Antreiber wirken oft unbewusst

Ein besonders prägender Teil des Kurses war die Arbeit mit den inneren Antreibern. Die Transaktionsanalyse zeigt, dass viele unserer Verhaltensmuster aus frühen Prägungen stammen. Solche verinnerlichten Glaubenssätze beeinflussen bis heute, wie wir handeln, entscheiden und mit Belastung umgehen.
Die fünf inneren Antreiber wurden im Kurs klar benannt:
  • Sei stark
  • Sei perfekt
  • Sei beliebt
  • Mach schnell
  • Streng dich an
Diese Antreiber haben zwei Seiten. Sie können hilfreich sein, weil sie Leistung, Einsatz, Genauigkeit oder Durchhaltevermögen fördern. Gleichzeitig können sie aber auch Stress verstärken, wenn sie zu starr oder zu stark werden.

Die fünf Stressverstärker habe ich neu verstanden

Besonders hilfreich war für mich die Vertiefung mit den Stressverstärkern nach Gert Kaluza. Dabei wurde deutlich, was hinter bestimmten Mustern steckt:
  • Sei perfekt: der Wunsch, keine Fehler zu machen und immer alles unter Kontrolle zu haben
  • Sei beliebt: das starke Bedürfnis nach Anerkennung, Harmonie und Zustimmung
  • Sei stark: der Anspruch, alles alleine zu schaffen und keine Schwäche zu zeigen
  • Sei vorsichtig: das Bedürfnis nach Kontrolle, Sicherheit und Risikovermeidung
  • Ich kann nicht: die Tendenz, Anstrengung zu vermeiden oder sich selbst wenig zuzutrauen
Mein wichtigstes Learning daraus: Nicht die Motive an sich sind das Problem, sondern ihre Übertreibung. Wenn aus einem gesunden Anspruch eine absolute innere Forderung wird, steigt die Stressanfälligkeit deutlich. Dann führen Perfektionismus, Harmoniebedürfnis, Kontrollwunsch oder übertriebene Selbstständigkeit langfristig in Überforderung und Erschöpfung.

Für meine Rolle als Coach ist Selbstmanagement zentral

Der Kurs hat mir nochmals klar gemacht, dass gutes Coaching nicht nur Fachwissen braucht, sondern auch ein bewusstes Selbstmanagement. Wenn ich meine eigenen Antreiber nicht kenne, laufe ich Gefahr, sie unbewusst in meinen Berufsalltag mitzunehmen.
Zum Beispiel:
  • Ein starker Sei perfekt-Antreiber kann dazu führen, dass ich mich in Details verliere.
  • Ein ausgeprägtes Sei beliebt kann mich daran hindern, klar Grenzen zu setzen.
  • Sei stark kann dazu führen, dass ich Unterstützung zu spät annehme.
  • Mach schnell kann Qualität und Präsenz im Kontakt schwächen.
  • Streng dich an kann dazu führen, dass ich meine eigenen Grenzen übergehe.
Gerade deshalb war die Reflexion im Kurs so wertvoll. Sie hilft mir, meine Muster nicht nur zu erkennen, sondern im Alltag bewusster damit umzugehen.

Der entscheidende Schritt: von Antreibern zu Erlaubern

Ein sehr hilfreicher Gedanke aus dem Kurs war der Wechsel von den inneren Antreibern zu sogenannten Erlaubern. Statt mich von starren inneren Forderungen steuern zu lassen, kann ich mir bewusst neue, förderliche Sätze erlauben.
Zum Beispiel:
  • Ich muss nicht immer perfekt sein.
  • Ich darf Nein sagen.
  • Ich darf Hilfe annehmen.
  • Ich darf mir Zeit lassen.
  • Ich darf auf mich Rücksicht nehmen.
Diese Erlaubersätze wirken einfach, haben aber grosse Bedeutung. Sie schaffen innere Entlastung und stärken einen gesünderen Umgang mit Stress.

Mein Fazit

Ich nehme aus diesem Kurs mit, dass Stress viel mit inneren Mustern, Motivation und Selbstführung zu tun hat. Für mich als Coach ist das eine wichtige Erkenntnis, weil ich nur dann langfristig wirksam sein kann, wenn ich meine eigenen Antreiber kenne und bewusst steuere.
Stressbewältigung bedeutet für mich deshalb nicht nur, Belastungen zu reduzieren. Es bedeutet auch, meine inneren Ansprüche zu hinterfragen, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mir mehr Erlaubnis statt inneren Druck zu geben. Genau darin liegt für mich ein wichtiger Schritt zu mehr Gelassenheit, Klarheit und Wirksamkeit im Berufsalltag.

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