Kohlenmonoxid auf der Dopingliste: Was ist verboten, was erlaubt ist und warum Atemtraining nach Oxygen Advantage kein Doping ist.
Jan 12, 2026

Kohlenmonoxid auf der Dopingliste – was ist verboten, was war erlaubt und warum die Oxygen-Advantage-Methode davon nicht betroffen ist

Als bekannt wurde, dass Kohlenmonoxid (CO) in die Dopingliste aufgenommen wird, sorgte dies im Leistungs- und Spitzensport für erhebliche Verunsicherung. Besonders betroffen waren Trainer und Athleten, die mit Atemtraining, Hypoxie-Reizen oder Methoden zur Verbesserung der Sauerstoffeffizienz arbeiten. Schnell tauchte die Frage auf: Ist Atemtraining jetzt Doping? Was steht hinter dem Kohlenmonoxid Doping? Sind Atem-Methoden wie Oxygen Advantage noch erlaubt?

Dieser Artikel ordnet die Situation sachlich, fundiert und praxisnah ein. Er erklärt:

  • was konkret verboten ist
  • was früher erlaubt war und warum
  • warum die Oxygen-Advantage-Methode nicht unter das Verbot fällt
  • wo Trainer und Athleten rechtlich und sportlich auf der sicheren Seite sind

Warum Kohlenmonoxid Doping überhaupt ein Thema im Sport wurde

Kohlenmonoxid ist den meisten Menschen als hochgiftiges Gas bekannt. Es entsteht bei unvollständiger Verbrennung und kann in hohen Konzentrationen lebensgefährlich sein. Weniger bekannt ist jedoch, dass CO in sehr niedrigen, kontrollierten Dosen medizinisch und wissenschaftlich genutzt wird – unter anderem zur Messung der Gesamt-Hämoglobinmasse oder der Lungenfunktion.

In den letzten Jahren wurde CO jedoch zweckentfremdet: Einzelne Akteure im Spitzensport begannen, es gezielt zur Leistungssteigerung einzusetzen. Die Idee dahinter war simpel, aber problematisch:
CO bindet sich etwa 200–250-mal stärker an Hämoglobin als Sauerstoff. Dadurch entsteht künstlich eine milde Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie), die im Körper Anpassungsprozesse auslösen kann – insbesondere eine Stimulation der Blutbildung.

Diese Praxis bewegte sich lange in einer Grauzone. Sie war medizinisch riskant, sportethisch fragwürdig, aber formal nicht eindeutig verboten. Jetzt hat die WADA und in der Folge Swiss Sports Integrity Kohlenmonoxid Doping verboten. Aufgebracht gegen über der WADA hat es im übrigen der Internationale Fahrrad Verband (UCI).

Was genau jetzt verboten ist

Kohlenmonoxid auf der Dopingliste: Was ist verboten, was erlaubt ist und warum Atemtraining nach Oxygen Advantage kein Doping ist.

Mit der Aufnahme von Kohlenmonoxid in die Dopingliste wurde diese Grauzone beendet. Entscheidend ist dabei nicht das Gas an sich, sondern die Art und der Zweck der Anwendung.

Verboten ist:

  • Die nicht-diagnostische Anwendung von Kohlenmonoxid Doping
  • Das wiederholte Einatmen von CO zur Leistungssteigerung
  • Der Einsatz von Rebreather-Systemen, die gezielt CO oder veränderte Gasgemische zuführen
  • Jede Methode, die darauf abzielt, über CO die Blutbildung oder den Sauerstofftransport zu manipulieren

Damit wird CO rechtlich in dieselbe Kategorie eingeordnet wie andere verbotene Blutmanipulationen. Es spielt keine Rolle, ob die Methode „innovativ“, „experimentell“ oder „wissenschaftlich begründet“ ist – der leistungssteigernde Zweck ist ausschlaggebend.

Was weiterhin erlaubt ist – eine wichtige Klarstellung

Ebenso wichtig wie das Verbot ist die Klarstellung dessen, was nicht verboten ist. Denn nicht jede Hypoxie, nicht jede Atemveränderung und nicht jede Leistungsanpassung ist Doping.

Weiterhin erlaubt sind:

  • Medizinisch-diagnostische CO-Anwendungen
    Einmalige, streng kontrollierte CO-Gaben zur Messung von Hämoglobinmasse oder Lungenparametern unter aerztlicher Aufsicht.
  • Natürliche Hypoxie
    Höhentraining, Trainingslager in den Bergen, Leben oder Trainieren in Höhenregionen.
  • Simulierte Höhe ohne Gasmanipulation
    Hypoxiezelte oder -räume, die den Sauerstoffanteil der Luft reduzieren, ohne CO oder andere Substanzen zuzuführen.
  • Atemtraining ohne Gaszufuhr
    Alle Methoden, bei denen ausschliesslich die Atemmechanik, Atemkontrolle oder Atemtoleranz trainiert wird.

Diese Differenzierung ist zentral – und sie ist der Schlüssel zum Verständnis, warum die Oxygen-Advantage-Methode nicht betroffen ist. Auch die Verwendung von Atemmasken im Training ist erlaubt, sofern es sich um Modelle wie jenes von Oxygen Advantage oder Skillatics handelt, wo die Ausgeatmete Luft wieder eingeatmet wird, aber keine Chemische Veränderung stattfindet.

Swiss Integrity bestätigt dies wie folgt: «Die Anwendung dieser Atemmaske ist erlaubt, da primär ausgeatmetes Kohlendioxid wieder eingeatmet wird und kein Kohlenmonoxid zugesetzt wird. Es handelt sich dabei nicht um ein Rückatmungssystem oder -gerät im Sinne der Dopingliste.»

Rebreather-Systeme: Der Kern des Problems

Um die Abgrenzung zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf Rebreather-Systeme. Diese Geräte:

  • sammeln ausgeatmete Luft
  • entfernen CO₂ chemisch
  • führen gezielt Gase (Sauerstoff, andere oder eben CO) wieder zu
  • lassen die veränderte Luft erneut einatmen

Damit wird die Gaszusammensetzung aktiv manipuliert. Genau diese gezielte Eingriffsmöglichkeit macht Rebreather im Sportkontext problematisch – und im Fall von CO verboten.

Wichtig: Atemmasken mit Atemwiderstand sind keine Rebreather.
Sie führen keine Gase zu, filtern kein CO₂ und verändern die Luftzusammensetzung nicht.

Kohlenmonoxid Doping ist da wo künstliche Gase hinzugefügt werden.

Was die Oxygen-Advantage-Methode tatsächlich macht

Die Oxygen Advantage Methode wird oft missverstanden, insbesondere von Personen, die sie nicht selbst angewendet oder wissenschaftlich betrachtet haben. Deshalb ist eine klare Beschreibung entscheidend.

Die Methode basiert auf vier zentralen Saeulen:

  1. Verbesserung der Nasenatmung
  2. Optimierung der Atemmechanik
  3. Erhöhung der CO₂-Toleranz
  4. Verbesserung der Atemeffizienz unter Belastung

Wichtig dabei:
Es wird kein Gas zugeführt.
Es wird keine Luft chemisch verändert.
Es wird kein Blut manipuliert.

Die Methode arbeitet ausschliesslich mit dem, was der Koerper ohnehin produziert: CO₂ als natürliches Stoffwechselprodukt.

Der entscheidende Unterschied: CO₂ ist nicht CO

Kohlenmonoxid CO und Kohlendioxid CO2-Molekül Strukturchemische Formel und Molekülmodell | Premium Foto

Ein zentrales Missverständnis in der aktuellen Debatte ist die Verwechslung von Kohlenmonoxid (CO) mit Kohlendioxid (CO₂).

Merkmal CO CO₂
Entstehung Verbrennung Zellstoffwechsel
Wirkung Giftig, blockiert Hämoglobin Regulator der Atmung
Rolle im Koerper Keine physiologische Funktion Essenziell
Dopingrelevant Ja Nein

CO₂ ist kein Abfallstoff, sondern ein Schlüsselregulator:

  • für die Sauerstoffabgabe an die Muskulatur (Bohr-Effekt)
  • für die Atemsteuerung
  • für den Säure-Basen-Haushalt

Oxygen Advantage trainiert die Toleranz gegenüber CO₂, nicht die Zufuhr von CO.

Warum Oxygen Advantage kein Doping ist – juristisch, physiologisch und ethisch

Juristisch

Die Methode:

  • nutzt keine verbotene Substanz
  • nutzt keine verbotene Methode
  • manipuliert weder Blut noch Gaszusammensetzung

Sie fällt damit nicht unter die verbotenen Kategorien.

Physiologisch

Alle Anpassungen erfolgen:

  • über nervale Regulation
  • über Atemmuskulatur
  • über Effizienzverbesserung

Nicht über künstliche Eingriffe.

Ethisch

Die Methode:

  • ist für alle Athleten zugänglich
  • basiert auf Training, nicht Manipulation
  • fördert Gesundheit und Verletzungsprävention

Damit erfüllt sie keines der klassischen Dopingkriterien.

Was Trainer und Coaches jetzt beachten sollten

Für Trainer und Betreuer ergeben sich klare Leitlinien:

  • Keine Geraete einsetzen, die Gase zuführen oder filtern
  • Atemtraining klar von medizinischer Intervention trennen
  • Dokumentieren, welche Methoden eingesetzt werden
  • Athleten sachlich aufklaeren, statt Unsicherheit zu schüren

Atemtraining ist und bleibt ein Trainingsmittel, kein Dopinginstrument – solange es sauber angewendet wird.

Einordnung für Athleten

Athleten müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie:

  • Atemkontrolle trainieren
  • Nasenatmung üben
  • Atempausen nutzen
  • mit moderatem Atemwiderstand arbeiten

Problematisch wird es nur dort, wo Technik versucht, die Physiologie zu überlisten, statt sie zu trainieren.

Fazit

Die Aufnahme von Kohlenmonoxid Doping in die Dopingliste ist eine präzise Reaktion auf eine sehr spezifische Praxis, nicht ein Generalverbot von Atemtraining oder Hypoxiereizen.

Die Oxygen-Advantage-Methode:

  • nutzt keine verbotenen Substanzen
  • nutzt keine verbotenen Methoden
  • arbeitet im Einklang mit der menschlichen Physiologie

Für Trainer, Coaches und Athleten gilt deshalb:
Sauberes Atemtraining bleibt erlaubt, sinnvoll und wertvoll.

FAQ – Häufige Kernfragen für Trainer, Coaches und Athleten

1. Ist Atemtraining seit dem CO-Verbot generell dopingrelevant?

Nein. Atemtraining als solches ist nicht dopingrelevant. Verboten ist ausschliesslich die gezielte, nicht-diagnostische Anwendung von Kohlenmonoxid (CO) oder vergleichbare Methoden zur künstlichen Blut- oder Gasmanipulation. Atemtraining, das mit Atemmechanik, Atemkontrolle, Atemfrequenz oder CO₂-Toleranz arbeitet, fällt nicht darunter.

2. Sind Atemmasken im Training erlaubt?

Ja, handelsübliche Atemmasken sind erlaubt, solange sie:

  • keine Gase zuführen
  • kein CO₂ chemisch entfernen
  • keine geschlossene Wiederveratmung (Rebreather) darstellen

Atemmasken mit Atemwiderstand trainieren primär die Atemmuskulatur und Atemkontrolle. Sie verändern nicht die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft und gelten daher nicht als verbotene Methode.

3. Was ist der Unterschied zwischen Rebreather-Systemen und Atemtraining?

Der Unterschied ist grundlegend:

  • Rebreather-Systeme manipulieren aktiv die Atemluft (CO₂-Filter, Gaszufuhr, Wiederveratmung)
  • Atemtraining arbeitet ausschliesslich mit der natürlichen Atmung des Körpers

Rebreather greifen technisch in den Gashaushalt ein – genau das ist der Grund für das Verbot. Atemtraining tut das nicht.

4. Warum ist Kohlenmonoxid verboten, Kohlendioxid aber nicht?

Weil es sich um voellig unterschiedliche Gase mit unterschiedlicher Wirkung handelt:

  • Kohlenmonoxid (CO) ist ein Giftgas, das den Sauerstofftransport blockiert und gezielt zur Leistungssteigerung missbraucht werden kann.
  • Kohlendioxid (CO₂) ist ein natürliches Stoffwechselprodukt und ein zentraler Regulator der Atmung und Sauerstoffabgabe.

CO₂-Toleranztraining nutzt einen physiologischen Anpassungsmechanismus, keine Manipulation. Deshalb ist es erlaubt und Kohlenmonoxid Doping verboten.

5. Kann die Oxygen-Advantage-Methode zu Dopingproblemen führen?

Nach heutigem Stand: Nein.
Die Oxygen-Advantage-Methode:

  • führt keine Substanzen zu
  • verändert keine Gaszusammensetzung
  • manipuliert weder Blut noch Hämoglobin

Sie basiert ausschliesslich auf Atemschulung, Effizienzsteigerung und Regulation des Nervensystems. Damit erfüllt sie keines der Dopingkriterien.

6. Worauf sollten Trainer und Coaches besonders achten?

Trainer sollten sicherstellen, dass:

  • keine technischen Systeme zur Gasmanipulation eingesetzt werden
  • Atemtraining klar als Trainingsmethode dokumentiert ist
  • Athleten den Unterschied zwischen CO und CO₂ verstehen
  • keine medizinisch anmutenden Verfahren ohne ärztliche Indikation verwendet werden

Kurz gesagt: Trainieren statt manipulieren. Wer diesen Grundsatz einhält, bewegt sich rechtlich, sportlich und ethisch auf sicherem Boden.

Zusammengefasst:
Das CO-Verbot richtet sich gegen eine sehr spezifische, technisch-chemische Manipulation. Atemtraining, wie es in der Oxygen-Advantage-Methode praktiziert wird, bleibt legal, sinnvoll und sportlich legitim – für Leistungs- wie auch für Gesundheitssport.

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